Gastbeitrag von Jans Papa – sein Besuch in Indien

Anfang Januar besuchte uns Jans Papa für zwei Wochen in Bangalore und er hat die Zeit, die er mit uns verbracht hat, in einem sehr schönen Bericht beschrieben. Aber lest selbst:

Winter: ich bin dann mal weg…

Bitte habt Nachsicht mit mir, dass ich unsere Erlebnisse in Indien nicht so abgeklärt wie die beiden Weltenbummler Rike und Jan darstelle. Vielmehr habe ich mich die 2 Wochen eher wie ein staunendes und manchmal auch nachdenkliches Kind erlebt.

 

Am Dienstag, 06.01 mache ich mich auf den Weg nach Indien. Endlich Rike und Jan wiedersehen und Einblicke in ein fernes Land bekommen, in dem wirklich fast alles anders ist.

Am Mittwochmorgen irgendwann zwischen 3 und 4 Uhr auf dem Bangalore-Airport gelandet und stundenlang die Einreiseprozedur zelebriert, entdeckte ich endlich Jan und seinen Fahrer Devi am Ausgang (ohne Ticket kein Eintritt). Rike ist ja leider mit dem Goethe-Institut unterwegs und wird erst am 10.01. zu uns stoßen.

Als die Tür auf geht, schlägt mir die geballte Hitze des Indischen Winters entgegen – Puh…

Schon die Fahrt in die City ist fremdartig und aufregend und obwohl vom Flug hundemüde, bin ich hellwach. Linksverkehr, Gehupe wie ich es noch nie erlebt habe , alle Arten von Gefährten, die man nicht unbedingt auf deutschen Straßen antrifft.

Bis zur Ankunft in Indira Nagar (der Stadtteil, in dem die beiden wohnen) ist klar: Das werden aufregende 2 Wochen…

 

07.01.15 – Die Wohnung

Wenn man bedenkt, was ich so nachts teilweise auf dem Weg vom Airport so gesehen habe, erscheint Rikes und Jans Wohnung schon eher einer kleinen Residenz zu ähneln. Marmorboden, 3 Badezimmer, Wohnbereich auf einer Empore – nicht schlecht. Mit der Zeit relativiert sich das dann etwas; ein Bad nicht nutzbar, Leitungswasser höchstens für Klospülung und zum Duschen nutzbar, Zähneputzen damit bedenklich etc. Aber nach kurzer Zeit rückt so etwas, was einem in Deutschland sofort zum Anwalt zwecks Mitminderung getrieben hätte, weit in den Hintergrund und wird unwichtig.

Indien ist eben anders…

 

07.01.15 – zum ersten Mal durch Bangalore

Nachdem ein Teil des Schlafdefizites aufgeholt ist (ohne Decke – zu warm) nehmen Jan und ich eine erste Erkundung dieser Indischen „Kleinstadt“ vor.
(man spricht von 13 bis 20 Millionen Einwohnern. Genau weiß das niemand; Einwohnermeldeamt? Fremdwort!) Die Einwohnerzahl soll nach dem Wasserverbrauch hochgerechnet sein. Wenn man bedenkt, dass viele kein fließend Wasser haben…

Indien ist eben anders.

 

Auch die Straßennamen sind anders. Die beiden wohnen z.B. in der 2nd Main Road.
Als Adresse ziemlich ungenau – es gibt deren bestimmt einige Dutzend. Davor die 1st Main Road, dahinter die 3rd Main Road.
Irgendwie logisch, oder?

Die wohl meist befahrene Straße in der Nähe ist die 100ft Road. Ich habe nicht ausgemessen, ob die Breitenangabe stimmt 🙂

 

Da ich mir einige Hemden maßschneidern lassen will, folgen wir dieser 100ft Road ein ganzes Stück zu Fuß. Ein Gewitter von neuen Eindrücken! Als „weißer Riese“ wird man schon angeschaut, manchmal offen angegafft. Inder scheinen keine Distanz zu kennen.

Absätze zwischen Gehsteig und Straße so ab 30 cm (wünsche mir grad Bergschuhe). Gelochte Betonplatten auf oder über die als Trampelpfad getarnten Gehsteige? Darunter sind die Abwasserkanäle. Den Blick als Fußgänger immer nach unten halten – manchmal fehlt ne Platte.

Zebrastreifen über die Straße? Nix für Fußgänger! Sind wohl eher tatsächlich platt gefahrene Zebras. Um die Straße als Fußgänger zu überqueren reicht kein Mut; man braucht schon Tollkühnheit 🙂
Indien ist eben anders. 🙂

Aber nach so zwei Tagen denkt man nicht mehr darüber nach – man tut es einfach.

 

Wir waren dann bei „Raymonds“. Habe 6 Hemden bestellt, die später auch rechtzeitig fertig werden, eine überragende Stoff- und Fertigungsqualität aufweisen und für deutsche Verhältnisse spottbillig sind.

Danach fahren wir in einer Motor-Rikscha zum Essen (später folgt hier ein Video…).

Ich denke, ich sollte noch einen Beitrag über den Verkehr bringen…

Hier gilt ganz besonders: Indien ist eben anders. 🙂

 

Ich glaube, das Restaurant heißt „Toit“. Hier gibt es einen ersten Eindruck davon, was mich essensmäßig hier noch erwartet.

09.01.15 – weiter durch Bengaluru

Inzwischen habe ich gelernt, dass man hier versucht, die Ortsnamen wieder auf die traditionellen indischen umzustellen…

Das mache ich ab sofort auch.

Heute sind Jan und ich mal wieder unterwegs.

Die älteste Einkaufsstraße Bengalurus ist die „Commercial Street“. Neben Souvenirläden gibt es jede Menge anderer Geschäfte. Unbekannte Früchte, ne Kuh auf dem Bürgersteig– wieder viele, teils auch gegensätzliche  Eindrücke. Nachdem ich meinen ersten Souvenir-Kaufrausch befriedigt habe und Jan mir jede Menge gezeigt und erklärt hat, fährt Devi uns dann zum Fruit Market. Der liegt in einem islamischen Viertel. Scheinbar sind Hindi nicht gut auf Mohammedaner zu sprechen. Die kommen hier scheinbar gleich nach den Pakistani…

Aber für uns nahm Devi das auf sich.

Übrigens zum Verhältnis von Indern zu Pakistani: Nach den ganzen Fragen im Visumsantrag denke ich, dass wenn der Vetter des Freundes meines Großonkels mal in einem pakistanischen Restaurant gegessen hätte, hätte ich kein Visum für Indien bekommen 😉

 

09.01.15 – Mexico in Bengaluru

Morgen kommt Rike zurück. Obwohl Jan und ich uns sehr auf sie freuen, ist heute ein guter Termin für einen Männerabend. Wir treffen und bei Chili’s. Für mich ist das ein lang ersehntes Wiedersehen, kenne ich diese Restaurants doch aus Amerika. Es ist eine texanische Kette mit amerikanisch-mexikanischen Speisen. Habe in Alamogordo, NM und an anderen Orten in Amerika dort gegessen. In Las Cruzes, NM. habe ich dort den besten Burger meines Lebens verdrückt.

Während der ganzen Zeit in Indien wird dies das Restaurant mit dem besten Service bleiben – und den besten Margaritas 😉

Von denen wurde neben Bier der eine oder andere vernichtet und der Rückweg ist – ich sage mal: beschwingt 😉

 

10.01.15 – Endlich wieder ne Frau im Haus

Hurra – die Rike ist wieder da. Und da sie zu ihrem Geburtstag unterwegs war, muss ja nun etwas nachgefeiert werden. Auf dem Fruit Market hatte Jan eine Riesen-Blumen-Kette aus Jasmin-Blüten erstanden. Die hängt nun über dem Esstisch und verströmt jede Menge Duft. Ich denke, dass Rike sich neben ihrem Geburtstagskuchen und den Geschenken auch darüber freut.

Später sind wir sehr lange in einer der größten Einkaufscentren Bengalurus, der „Phoenix Mall“ unterwegs. Jede Menge T-Shirts und zwei Levis 501 erinnern mich zuhause an diesen Tag 😉

 

So., 11.01.15 – Nix mit Sonntags-Chillen…

Heute frühstücken wir auf Rikes Arbeit.

Das Cafè Max ist die Restauration des Goethe-Instituts und wird von einem Frankfurter Bäcker betrieben. Dieser versucht in einem anderen Geschäft auch, annähernd deutsches Brot zu backen, was derzeit z.T. noch an fehlenden Zutaten scheitert. Aber diese Bäckerei ist ein Lichtblick, da Brot in Indien eher unbekannt ist. Kommt man zu spät, ist alles ausverkauft.

 

Danach fahren wir zum größten Park Bengalurus – dem Lalbagh-Park.
An einem Wochenende scheint dieser Park ein ziemlich beliebter Anlaufpunkt zu sein und das nicht nur für Leute aus Bengaluru. Wir treffen Menschen aus Kerala im Süden und auch welche aus Nordindien. Was Jan ja schon erzählt hatte trifft hier tatsächlich zu. Die Leute schauen uns sehr „interessiert“ an. Böse Geister würden das vielleicht als gaffen betiteln. Nun kann man selbst entscheiden: schaut man böse zurück, gehen sie weiter; schaut man nett zurück oder bestärkt ihren aufkeimenden Mut noch mit einem netten Lächeln, traut sich einer der Gruppe und fragt, ob man ein gemeinsames Foto machen dürfe. Das passierte uns am diesem Tag etliche Male. Will man die Leute völlig verdattern, bittet man nach erfolgreichem Fotoshooting, ebenfalls ein Foto mit denen machen zu dürfen. Damit rechnet keiner von denen. Ich habe das einige Male zelebriert :-))

In diesem Park gibt es für uns fremdartige Bäume und Gewächse. In Winter blühen nur einige Blumen, die sich in hiesigen Gefilden höchstens im Hochsommer bequemen, uns mit Blüte zu verzaubern.

Wir haben Bambus gesehen, der so dick wird, dass Liebespaare (nicht alles ist anders in Indien…) ihre Namen hineinritzen. Oben wohnen Affen, unten „possierliche“ Ratten…

Etwas Anderes, Fremdartiges gibt es hier auch zu sehen. Einen Hügel, der aus einem einzigen massiven Stein besteht. Unsere beiden Wahl-Inder hatten ja schon von ganzen Bergen erzählt, die aus einem Stein sind. Aber schon dieser vergleichbar kleine Hügel war imposant.

Ach ja, was mich auch sehr beeindruckt hat, ist die Vielzahl der Greifvögel, die man besonders hier, aber auch im ganzen Land sieht. Darunter sogar ein Weißkopf-Seeadler; das amerikanische Wappentier. Was mich gewundert hat: Rike war in der Lage, scharfe Fotos von diesen Tieren im Flug zu machen. Ich hätte das gar nicht erst versucht 🙂

 

Mo., 12.01.15 – Unterwegs mit Rike

Heute bin ich mal mit Rike allein unterwegs. Zum Shoppen bieten sich eben Mädels an 🙂

So machen wir ein Geschäft nach dem anderen unsicher, besuchen eine Mall, deren Namen ich vergessen habe. Haben sog. Cottages besucht, Geschäfte die versuchen, Touristen per Teppich-, Schmuck- oder Souvenirverkauf zu schröpfen. Meines Wissens sind das meist staatliche Geschäfte. Kein Quatsch – montags hingehen und handeln. Man mag das als plumpen Verkaufstrick ansehen, aber montags ist nach dem Wochenendverkauf nichts los und man kann weiter herunterhandeln.

„and because it’s Monday, i‘ll offer you a special price…“

 

Preislich nichts zu lachen gibt es, wenn man in Indien Käse findet und ihn erwerben will. Wir finden in der Mall ein Stück Edamer. 125gr. – umgerechnet 20€!
Der blieb im Regal…

Dafür gönnten wir uns im Häagen Dazs-Restaurant ein schönes Eis, nur unmerklich teurer 🙂

 

Wir sehen uns außerdem den ISCON Tempel von außen an. Nur von außen, da ich kurze Hosen an habe. So kommt man da nicht herein. Mehr dazu später.

Da ich den Auftrag habe, Seidenstoff nach Hause mit zu bringen, besuchen wir noch in eine Seidenfabrik.

 

Di., 13.01.15 – Geburtstag und Unterricht bei ACO-technologies

Jan’s Geburtstagskuchen hat Rike selbst gebacken. In Ermangelung einer Kuchenform tut es auch eine Auflaufform – man muss sich nur zu helfen wissen.

 

Da Rike Dienstags immer bei ACO eine Deutschstunde gibt, geht es dann dort hin. Sie hat vorher schon den Happy-Birthday-Text an die Leute quasi als Hausaufgabe verschickt und dem indischen Chef Prasanna einen entsprechenden Musikstream zukommen lassen.

Insofern steht einem „Zum Geburtstag viel Glück…“ nichts entgegen. Man hat auch eine Geburtstagstorte mit fehlerfreier Deutscher Beschriftung besorgt. Jan muss anschneiden und Papa muss ihn mit dem ersten Stück füttern – ist so Brauch hier. Ich kann – wenn auch nur schwer – meine Gelüste, ihm aus der Entfernung zu füttern in Zaum halten 🙂

Nach ihrer Deutschstunde muss Rike zurück zum Goethe-Institut und wir Kerle haben eine Fahrt zum „Big-Banyan-Tree“ (http://www.bengaloorutourism.com/big-banyan-tree.php)

Dieser ca. 400 Jahre alte Baum umfasst ungefähr eine Fläche von 12200 m² also mehr als einen Hektar. Der Trick dieses Baums ist es, immer wieder Zweige herunterwachsen zu lassen, die quasi als Luftwurzeln und nach Anwuchs in der Erde als neuer Stamm fungieren. Obwohl der Hauptstamm bereits tot ist, wächst das „Gesamtkunstwerk“ munter weiter.

 

Neben einigen Geschäften besuchten wir dann noch den „Snake-God-Temple“.

Abends sind wir von Prasanna zum Essen bei Puran Da Dhaba (Roof-top Restaurant) eingeladen.

 

 

14.01.15 – Essen bei Devi

Etwas, was wohl zwischen Boss und Angestellten in Indien eher die Ausnahme darstellt, ist Devis Einladung zum Abendessen. Während für ihn der Umstand, dass sein „Boss“ Jan diese Einladung annimmt, eine große Ehre darstellt, empfinden wir es als Ehre eingeladen worden zu sein.

Aus Platzgründen findet das Essen bei seiner Schwester statt. Wir waren davon ausgegangen, Teil einer munteren Essensrunde zu sein. Insofern ist es für uns anfangs etwas befremdlich, dass wir 4 (Phillip war ebenfalls eingeladen) sitzen und essen, während Familie, Freunde und Nachbarn herum stehen, uns beim Essen zusehen und sich mit uns unterhalten.

Nichts destotrotz ist es ein schöner Abend, den wir alle genießen.

 

Devi

Ich denke, dass dieser Mensch ein eigenes kleines Kapitel verdient hat.

Devi ist Jan’s Fahrer, bei einer entsprechenden Firma von ACO incl. Auto gemietet und Jan zugeteilt. Er bezeichnet Jan immer als seinen Boss und lächelt dabei wie ein Honigkuchenpferd. Man merkt schon, dass er Rike und Jan in sein Herz geschlossen hat, was wohl auch daran liegt, dass sie ihn nicht wie in Indien üblich, herablassend und herrisch, sondern wie einen gleich gestellten Menschen behandeln.

 

Devi ist 41 Jahre alt, hat mit 28 Jahren geheiratet und ist Vater einer süßen 12jährigen Tochter.

Regelmäßig erscheint er morgens früh vor der vereinbarten Zeit vor der Wohnung, mischt die Security-Typen auf und reinigt das Auto. Zuerst wird der Staub mit einem Lappen fortgeschlagen. Danach wird der Wagen mit 10 Liter Wasser sorgfältig vom Schmutz befreit. Wenn ich so sehe, mit welchen Dreckskarren andere teilweise unterwegs sind, bewundere ich seine Art. Er gehört ganz bestimmt nicht zu den Großverdienern aber seine Aufgabe ist für ihn so etwas wie eine Ehrensache. Devi ist ein Inder mit Pflichtgefühl – Hut ab vor dir Devi!

 

Wenn ich sehe, was er für eine große Hilfe, ein guter Ratgeber und Navigator in meinen 14 Tagen war, kann ich abschätzen, dass sich dies für Rike und Jan über die lange Zeit potenziert hat.

Ohne Devi hätten die beiden es bestimmt entschieden schwerer in Bengaluru gehabt.

Als Papa sage ich:

Danke Devi!

 

Do., 15.01.15 – Urlaub in Kerala

Bereits zu meinem Geburtstag im September erhielt ich von Rike und Jan einen „Urlaub im Urlaub“ geschenkt. Der wurde nun eingelöst.

Heute geht’s los nach Cochin (Kochi) im Bundesstaat Kerala. Eine Stunde Flug bedeuten 2 Breitengrade – und die merkt man…

Der Flughafen ist ca. 38 Km von Cochin entfernt. Wir wurden vom Hotel abgeholt.

Und um es gleich zu sagen: Bestes Hotel aller Zeiten!!!

Le Méridien, 5 Sterne, sehr freundliches Personal und das beste Buffet, welches ich je erlebt habe. Pool, der leider nur bis 19 Uhr geöffnet ist. Wir haben die Mahlzeiten zelebriert. Nach einem heißen Tag unterwegs habe ich mich immer auf einen coolen Drink auf der Riesenterasse gefreut.

 

Fr., 16.01.15 . Sightseeing in Cochin

Aber wir wollen unsere Zeit ja nicht nur in diesem tollen Hotel verbringen. Also los per UBER- Taxi nach Fort Cochin. Dort gibt es jede Menge zu sehen, sogar die Taj Mahal – allerdings nur in klein 🙂

Nachdem wir erst zu Fuß jede Menge erkundet haben, treffen wir einen Rikscha-Fahrer, der uns eine Stadtrundfahrt anbietet. Unser Entschluss, sein Angebot anzunehmen erweist sich als goldrichtig. Er zeigte uns alle möglichen Sehenswürdigkeiten in und um Fort Cochin – wirklich toll. Natürlich durften die „rein zufällig wartenden Ladenbesitzer“ nicht fehlen. So wurde man höflich aber bestimmt in entsprechende Geschäfte gelotst, ein Nebenverdienst, den wohl jeder Fahrer hier beherrscht. Aber man muss ja nicht kaufen. Hier haben wir es – nicht zuletzt weil die Leute sehr nett (nicht aufgesetzt) waren und auch Humor hatten.

U.A. gab es hier für Jan und mich ein einheimisches Freizeithemd aus dünner Baumwolle, das wie geschaffen für dortige Klimaverhältnisse ist. Hier wird es sich in unserem Sommer (der kälter ist als ein indischer Winter) erst bewehren müssen.

 

Unter anderem sahen wir die Synagoge, den Dutch-Palace, einen holländischen Friedhof aus dem 18. Jahrhundert, welcher aussah als wäre er ein Überbleibsel eines Piratennestes, den Strand, der nur aus der Ferne sauber mutet, die chinesischen Fischernetze, die hier überall Verwendung finden.

Unser motorisierter Reiseführer brachte und bis zurück ins Hotel (hat schon was, mit so nem Gefährt bei nem Nobelhotel vorzufahren).

Und dann: Pool!!! Und das Buffet 😉

 

Sa., 17.01.15 – Backwater Tour die Erste…
Der Höhepunkt unserer Reise sind ganz bestimmt die beiden Backwater-Touren, die wir an diesem Tag unternehmen. Wie am Vortag gebucht, werden wir von einem Bus am Hotel abgeholt. Der Fahrer könnte in Deutschland viel mehr Geld als Stuntman verdienen…

Dann doch heil angekommen, wechselten wir in Boote und wurden von einem alten Inder mit „Stangenantrieb“ durch die Backwater-Kanäle gefahren.

So auf diesen Kanälen fährt, kommt man sich fast vor, als wäre man an einem verwunschenen Ort.

Man vergisst ganz schnell, dass man sich in Gesellschaft befindet und kommt sich wie ein Entdecker, vor, der fremde Dschungelgefilde zum ersten Mal befährt. Die wenigen Häuser an den Ufern erscheinen einen, als würden die Bewohner fernab jeder Zivilisation leben, Kinder stürmen an die Ufer und winken, Kühe glotzen einen dumm an und die Lust ist erfüllt mit Geräuschen von Vögeln und anderem Getier. Ein Außenborder würde diese Idylle und die eigene abenteuerliche sofort zerstören. Deshalb bin ich froh über unseren alten Inder, der uns mit Stange fort bewegt. Es scheint mit nichtr allein so zu gehen, denn im Boot ist es ziemlich ruhig – scheinbar geben auch die anderen Mitfahrer sich ihren Eindrücken hin. Äste, die übers Wasser hängen, sind teilweise von Spinnen (gottseidank nur kleinen) bevölkert und man fragt sich, ob die siech gleich auf einen stürzen, Wasserschlangen kreuzen unseren Weg. Man sollte die Füße wohl doch lieber im Boot lassen, Jan 🙂

Und doch treffen wir auf Menschen, die im Wasser stehen, um Wäsche zu waschen, sich selbst oder ihre Zähne zu putzen (igitt). Scheinbar haben die keine Angst vor dem ganzen Getier oder der Qualität des Wassers…

Ein wenig wurde die Stimmung dadurch getrübt, dass als wie auf einen See stießen, kehrt gemacht wurde und es den ganzen Weg zurück zum Ausgangsort ging.

Wir verwöhnten Touristen hatte, schon unsere ersten Rückenschmerzen und die Sonne gab ihr Bestes.

 

Sa., 17.01.15 – Backwater Tour die Zweite…

Wieder am Ausgangsort angekommen, werden wir wieder in unsere Busse verfrachtet – unser Helldriver hatte gewartet 🙁  und es geht an einen anderen Ort, wo uns ein größeres Boot; ein ehemaliger Reistransporter erwartet. Hier sind es keine verwunschenen Wasserläufe oder Kanäle, die uns erwartet, sondern ein wie ein Meer anmutender See.

Diese Gegend liegt unter dem Meeresspiegel und Süß- und Salzwasser habe sich vermischt. Diese riesigen Wasserflächen sind nur einen bis drei Meter tief. Jan erfreut den Führer mit einem neuen deutschen Wort: Brackwasser.

Unser Ausflug mit dem Reisschiff dauert dann auch so 4 Stunden und ist sehr interessant.
Die Fahrt wird u.a. von einem Aufenthalt auf einer Insel unterbrochen, deren Bewohner auf das ernten und Verarbeiten von Muschelschalen spezialisiert sind. Überall auf der Insel sind demnach Muschelschalen verstreut.

Interessant ist auch zu sehen, wie sich die Menschen hier auf das Leben am Wasser eingerichtet haben. Zum Date wird die Liebste hier eben nicht mit nem tiefergelegten BMW 3er, sondern mit den Boot abgeholt 🙂

 

Insgesamt waren diese beiden so unterschiedlichen Backwater-Tours – so denke ich – ein tolles, anstrengendes Erlebnis, dass ich nicht vergessen werde. Nachdem der Stuntfahrer 😉 uns lebendig wieder im Hotel abgeliefert hat, sind wir drei wirklich geschafft. Unsere Lebensgeister werden kurzzeitig für diesen Abend durch kalte Drinks, den Pool (den nur Rike und ich schaffen – Jan ist wohl zu kaputt, was er natürlich nie zugeben würde 🙂   )  und vor allen das tolle Buffet geweckt.

 

18.01.15 – Letzter Tag in Cochin

Heute Abend geht‘s zurück nach Bengaluru. Also sollten wir die verbleibende Zeit noch nutzen. Deshalb ab nach Cochin. Da warten noch einige Orte, die von uns entdeckt werden wollen…

So zum Beispiel der Dutch Palace, dessen Geschichte anschaulich die dieser Region widerspiegelt. http://de.wikipedia.org/wiki/Dutch_Palace

Leider dürfen wir drinnen nicht fotografieren.

Weiterhin besuchen wir die nochmal die Santa Cruz Basilika – nicht zuletzt, weil wir Jans Hemd, das wir zwei Tage zuvor in richtiger Größe bestellt hatten, gegenüber noch abholen müssen.

Übrigens fährt uns heute ein junger, lustiger Rikscha-Fahrer, der in der Woche studiert und sich am Wochenende Geld mit Fahren verdient. Er hat uns mit seinem „Ferrari“ aufgegabelt. Das Gefährt liebevoll bemalt und auf der Windschutzscheibe prangt ein Ferrari-Schriftzug. Zusätzliches Gehör im Verkehr verschafft er sich mit einer „Lufthupe“, so nem Ding, dass wir vielleicht von Kinder-Dreirädern kennen. Wir müssen jedes Mal lachen, wenn er damit im Verkehr auf sich aufmerksam macht. Guter Gag.

 

Zum Abschluss werden wir dann im Ferrari 😉 zum Hotel gefahren – endlich mal dem Ruf des Hotels entsprechend.

Rike und ich nochmal in den Pool und dann per UBER- Taxi zum Flugplatz.

Goodbye Kerala –we had a nice time!

 

Mo., 19.01.15 – Unterwegs mit Devi

Jan hat mir heute den Devi für ein paar Stunden „geliehen“ So verbringen wir beide den größten Teil des Tages zusammen. Die Hemden müssen noch von Raymonds abgeholt werden und es gibt noch einiges anzusehen.

Mittags fährt Devi mich zum Goethe- Institut. Habe mich mit Rike zum Mittagessen verabredet. Wir essen im Kaffee Max. Später holt Devi mich wieder ab.

Wir fahren zum Ulsoor Lake, ein Wasserreservoir in Bangalore. Später besuchen wir noch das ein oder andere Cottage. Und weil mir aufgefallen war, dass ich außer Klamotten überhaupt kein Souvenir für mich hatte, kaufe ich mir doch tatsächlich einen kleinen Wandteppich.

 

Später sammeln wir noch Jan auf und besuchen noch – diesmal mit langen Hosen damit wir hereinkommen – den Iskcon Temple,

Dieser Krishna-Tempel ist sehr modern, sehr monströs. Ein Paradies für Fotografen. Aber leider ist Fotografieren streng verboten. Wer Jan kennt, weiß dass ihn sowas wenig stört. Deshalb macht er einige Handyfotos im Inneren. Irrsinnig, wieviel Gold hier verbaut wurde. Und wie die Besucher von der Zeremonie verzaubert sind.

Jan und mich berührt das weniger.

 

Und überall hört man aus den Lautsprechern:

„हरे राम हरे राम राम राम हरे हरे
हरे कृष्ण हरे कृष्ण कृष्ण कृष्ण हरे हरे“

 

Ach so, übersetzt heißt das :

„Hare Rāma, Hare Rāma Rāma Rāma Hare Hare
Hare Kṛṣṇa Hare Kṛṣṇa Kṛṣṇa Kṛṣṇa Hare Hare“

„Hare Rama Hare Rama, Rama Rama Hare Hare
Hare Krishna Hare Krishna, Krishna Krishna Hare Hare“

 

Den Weg heraus wird man so geleitet, dass man an unzähligen Merchandising- Ständen vorbei muss.

Aha…

 

Das wars dann für mich mit Sightseeing in Indien.

Den letzten Tag habe ich schwer mit Packen und Wiegen zu tun. Aber einige Dinge muss ich da lassen. Die wird mir später freundlicherweise Brigitte mit zurück bringen.

 

Alles endet mit einer herzlichen Umarmung vor dem Flughafengebäude. Auch Devi, der mich scheinbar richtig lieb gewonnen hat, fällt der Abschied schwer. Rike und Jan werden sich übers Wochenende nochmal schnell in Madikeri von meinem Besuch erholen. Dann steht der nächste Besuch vor der Tür.

Für mich war dieser Indien- Aufenthalt im Ganzen eine tolle Sache. Land und soweit möglich Leute kennen zu lernen, die wirklich so anders leben und denken, war eine tolle Erfahrung. Armut und Elend habe ich nur am Rande gesehen. Ich denke mal, dass dies anderswo in Indien schlimmer ist.

 

Vor allem aber hat es mich gefreut, meinen Jannemann mal wieder über einen längeren Zeitraum zu erleben. Und Rike, die ich bisher nur stundenweise erleben durfte, kenne und mag ich jetzt auch noch mehr, falls das überhaupt geht.

Und ich denke:

Ihr beiden gehört einfach zusammen – arbeitet fleißig daran.

Ich hab Euch lieb!

 

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